Sicherungsarbeiten an der historischen Stadtmauer

 
Die über 80 Meter lange und bis zu 6 Meter hohe historische Stadtmauer grenzt die Treibergasse vom benachbarten Welschdorfgarten ab. Da die Mauer als eigenständiges historisches Denkmal gilt, musste diese unbedingt in ihrem ursprünglichen Bestand geschützt werden.
  • Foto einer alten Mauer mit gelben Markierungen © ZÜBLIN
    Foto einer alten Mauer mit gelben Markierungen © ZÜBLIN
  • Foto eines Loches vor einer Mauer © ZÜBLIN
    Foto eines Loches vor einer Mauer © ZÜBLIN
Ort
Oppenheim, Rheinland-Pfalz
Bauherr
Stadt Oppenheim
Bauzeit
07.2021 - 11.2021

Unter dem Programm „Lebendige Zentren“ hat die Stadt Oppenheim in die Erneuerung und Entwicklung von Innenstädten und Ortskernen, historischen Altstädten und Stadtzentren investiert. Unter anderem stand 2021 der Ausbau der Treibergasse mit Erneuerung der Ver- und Entsorgungsanlagen sowie der Verkehrsflächen an.

Die vorherige Bauwerksuntersuchung der historischen Stadtmauer in der Treibergasse konnte eine Gründungstiefe der Wand zwischen 30 und 70 Zentimetern unter der Geländeoberfläche und daraus folgend eine erhebliche Einschränkung der Standsicherheit im Bauzustand feststellen. Zudem stellten zahlreiche bereits kartierte sowie noch nicht bekannte historische Gewölbe- und Kellerräume im Untergrund eine weitere Erschwernis dar. Für die notwendigen Sicherungsarbeiten wurde dann im Juli 2021 unsere Marke Torkret beauftragt.

Ablauf der Verstärkungsmaßnahmen

  • Bestandsaufnahme
    Um die hohen Anforderungen an die Denkmalpflege einzuhalten und eventuell auftretende Veränderungen während der Ausführung nachzuvollziehen, wurde das Bauwerk in allen Einzelheiten vermessen und dokumentiert. An bereits vorhandenen Rissen wurden zudem Gipsmarken angebracht.
  • Injektion des Mauerfußes
    Als nächster Schritt wurde das Mauerwerk im Bereich des Mauerfußes und der späteren Ankerköpfe mit einem Trass-Verpressmörtel injiziert. Dadurch soll das Ausbrechen von Mauerteilen verhindert und die kraftschlüssige Verteilung der Ankerkräfte gewährleistet werden.
  • Rückverankerung
    Im Rahmen der Bohrarbeiten zur Rückverankerung der Mauer kam es schließlich zu einer spannenden Entdeckung. Nach Durchbohren der Wand und der Hinterfüllung löste sich ab einer Bohrtiefe von 1,50 Metern bis über 14 Metern der Bohrwiderstand in Luft auf. Nach weiterer Untersuchung der Stelle wurde ein bis dahin nicht bekannter Gewölbekeller von über 30 Kubikmetern Raumvolumen entdeckt. Durch eine Umlegung der Bohransatzpunkte konnte die Rückverankerung dennoch erfolgreich ausgeführt werden.
  • Unterfangung
    Im Anschluss an die Rückverankerung wurde die Mauer auf der kompletten Länge bis in 1 Meter Tiefe im Pilgerschrittverfahren unterfangen. Auf eigenen Vorschlag hin wurde hierbei von Ortbeton auf Spritzbeton umgestellt. Dadurch konnte die Ausführungszeit um mehr als die Hälfte auf 10 Arbeitstage verkürzt werden.
  • Rückbau
    Mit Beendigung der Straßenbauarbeiten wurden zeitgleich die Gurtungen abgebaut und die dauerhaften Ankerköpfe in der Mauer versenkt und steinsichtig verblendet. 
  • Foto mehrerer Personen und eines Bagger an einer Mauer
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  • Foto eines Risses mit einer Verfüllung
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  • Foto von Anker und Stahlstäben zur Stabilisierung
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  • Foto der Baustelle an der Brücke mit Absperrbändern
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